Textilmuseum St. Gallen

St. Gallen ist Spitze

Wo Stoffe Weltspitze sind

Züge fahren ohne Halt nach Paris, amerikanische Kaufleute strömen in Scharen in die Stadt: Die Welt blickt nach St. Gallen. Jene, die etwas auf sich halten, kaufen hier ihre Stoffe ein. Die St. Galler Stickerei war zu Beginn des 19. Jahrhunderts denn auch das wichtigste Exportprodukt der Schweiz. Heute, über zweihundert Jahre später, hat sich St. Gallen von der Textilproduktion verabschiedet und widmet sich stattdessen innovativer Haute Couture. Dior, Gucci und Prada verkehren in St. Gallen und kaum eine bedeutende Modenschau in Paris, oder New York verzichtet auf die Präsentation der St. Galler Textilkreationen. Noch bevor diese auf die internationalen Laufstege gelangen, können sie in St. Gallen bewundert werden – und zwar im Textilmuseum. Eine weitere Möglichkeit, die faszinierende Welt der St. Galler Stickerei zu erleben, bieten die Führungen von St. Gallen-Bodensee Tourismus. Thematisch passend kann anschliessend in einem der Textilhotels der Ostschweiz übernachtet werden. Die Zimmer wurden mit ausgewählten Stoffen, prachtvollen Vorhängen und Tapeten von St. Galler Designateliers ausgestattet.

Museum mit textilen Raritäten

Wie sich die Textilherstellung in St. Gallen entwickelte, belegen auch die Exponate im Textilmuseum. Beeindruckend sind die prachtvollen Bestände an bestickten Vorhängen (Vitrages und Rideaux), die im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert als Hauptexportartikel vor allem nach Amerika geliefert wurden. Da die Kaufleute auch textile Raritäten aus aller Welt zusammentrugen um Anregungen und Vorlagen für die eigene Produktion zu erhalten, finden sich im Museum auch seltene Kostbarkeiten wie Stickereiarbeiten aus ägyptischen Grabfunden, die von der jahrtausendealten Kunstfertigkeit der Stickerinnen zeugen. Eine besondere Attraktion stellt die Handstickmaschine aus der Zeit um 1890 dar, die jeweils am Donnerstag- und Freitagnachmittag in Betrieb genommen wird.

Jahrhundertelange Textiltradition

Die Stoffe aus der Ostschweiz sind nicht erst seit heute begehrt, sondern stehen in einer langen Tradition, die bis in das frühe Mittelalter zurückreicht. Über Jahrhunderte war das Leben der St. Gallerinnen und St. Galler von der Leinwandherstellung, der Verarbeitung von Baumwolle und dem Besticken gefertigter Stoffe geprägt. Bis in die Gegenwart ist der Einfluss der Textilwirtschaft in der Ostschweiz spürbar – dies besonders in der Architektur.

Gestickte QR-Codes

In St. Gallen gibt es zahlreiche altehrwürdige, mit der Textilwirtschaft verbundene Häuser mit klingenden Namen wie «Oceanic», «Washington» oder «Wilson». Um die spannende Textiltradition der Region für Touristen und Einheimische erlebbar zu machen, wurden diese architektonischen Perlen mit gestickten QR-Codes versehen. Wer sie mit Smartphone oder Tablet scannt, erhält schriftliche Informationen zu den Häusern. Im Kirchhoferhaus auf dem Campus der Universität St. Gallen kann auch das Innere besichtigt werden. Samtige Vorhänge mit Metallfäden und Tapeten mit farbenfrohen Blumenmustern lassen den «textilen Atem» der Ostschweiz spüren.

Anfahrt: mit dem Voralpen-Express nach St. Gallen

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