Reussdelta

Reif fĂŒr die Inseln

Eine kĂŒnstlich modellierte Landschaft, in der sich BadegĂ€ste und SpaziergĂ€nger ebenso wohl fĂŒhlen wie Fische und Vögel; ein Gebiet, in dem Naturschutz, Landwirtschaft und Kiesabbau Hand in Hand gehen.

Spannende Geschichte zur Reuss

Bei Schneeschmelze und Hochwasser trat sie stĂ€ndig ĂŒber die Ufer. Um sie zu bĂ€ndigen, baute der Kanton Uri Mitte des 19. Jahrhunderts einen Kanal. Statt durch die Felder der Bauern zu mĂ€andern, floss die Reuss fortan fadengerade in den See. Doch das ging nicht lange gut. Denn wie jeder Fluss fĂŒhrt auch die Reuss Sand und Geröll mit sich. In einem natĂŒrlichen Flussverlauf spĂŒlt der Strom dieses Geschiebe an der MĂŒndung breit hinaus in den See, sodass ein natĂŒrliches Delta entsteht. Nach der Reusskorrektur war das aber nicht mehr möglich. Der mitgefĂŒhrte Sand lagerte sich zuvorderst ab und bildete eine Art Zapfen. Folge: Der verstopfte Abfluss fĂŒhrte zu neuen Überschwemmungen. Zwischen 1900 und 1912 verlĂ€ngerten die Urner deshalb den Kanal weit in den See hinaus. Die Folgen waren fatal: In UfernĂ€he entstanden Baggerlöcher und zu steile Böschungswinkel, die fĂŒr Nichtschwimmer beim Baden lebensgefĂ€hrlich waren. Auch der Seegrund kam ins Rutschen, und wegen fehlenden Flachwasserzonen prallten die Wellen mit voller Wucht ans Ufer. Das Festland wurde unterspĂŒlt. Um dreihundert Meter frass sich der See bis Mitte der 1980er Jahre ins Landesinnere. Um eine weitere Erosion zu verhindern, musste man handeln.

Gotthardstein fĂŒr den Bau der Inseln

Als erstes entfernte man den Kanal, der in den See ragte. Doch woher sollte man das Material nehmen, um eine Flachwasserzone zu schaffen? 1987 kam die Natur zu Hilfe, in Form des eingangs erwĂ€hnen Unwetters. Das Hochwasser schwemmte Unmengen von Sand, Geröll und GeĂ€st an. Damit konnten die UfervorschĂŒttung sowie eine erste Inselgruppe realisiert werden. Der nĂ€chste Support kam vom Schweizer Stimmvolk, das 1992 Ja zur NEAT sagte. Am Gotthard wurde somit der lĂ€ngste Eisenbahntunnel der Welt gebaut. Wohin mit dem Ausbruchmaterial? Na klar doch: In den Urnersee!

In der Folge wurden 3,3 Millionen Tonnen Tunnelgestein, das normalerweise umstĂ€ndlich und teuer entsorgt werden muss, im See versenkt. Eine Win-Win-Situation: Einerseits wurde das Gestein nachhaltig entsorgt, andererseits entstand an der ReussmĂŒndung ein Delta, wie es in der Schweiz kein zweites gibt, inklusive einer Lagunenlandschaft mit sechs Inseln. WĂ€hrend die drei Lorelei-Inseln mit ihren StrĂ€nden zum Baden einladen, werden die drei Neptun-Inseln der Pflanzen- und Tierwelt ĂŒberlassen.

Im Schutz der Inseln konnte sich die Natur seitdem ungestört entfalten. So gibt es heute im Reussdelta ein Ried, wo seltene Pflanzen wachsen und Vögel brĂŒten, mit flachen LaichgrĂŒnden fĂŒr Hechte, Rotaugen und Flussbarsche, mit SandstrĂ€nden fĂŒr BadegĂ€ste und Velowegen fĂŒr AusflĂŒgler. Dass die Inseln eigentlich aus Gotthardmaterial bestehen, daran erinnert nur noch ein Felsblock, der symbolisch auf einer Insel thront. „Ostabschnitt, Teilabschnitt Amsteg, Tunnelmeter 107550“, heisst es auf der Plakette, die den Monolithen ziert.

Anfahrt: mit dem Treno Gottardo nach FlĂŒelen

Erleben

Das Reussdelta kann man bequem zu Fuss erkunden, indem man ab dem Bahnhof FlĂŒelen dem „Weg der Schweiz“ Richtung Seedorf folgt. Nebst Bade- und PicknickplĂ€tzen gibt es AussichtstĂŒrme, von denen aus man Flora und Fauna sowie die Urner Bergwelt bestaunen kann.

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