Bellinzona

Eine Entdeckungsreise durch Bellinzona und seine mittelalterlichen Burgen

Drei Burgen

Die drei Burgen zeugen von der strategischen Bedeutung Bellinzonas: Der Weg ĂŒber die Alpen fĂŒhrt mitten durch die Stadt, mitten durch den Ort zwischen der Felsnase des San-Michele-HĂŒgels und der nahe Talflanke. Entsprechend rapportierte der MailĂ€nder Kriegskommissar Azzo Visconti bereits 1475 an seinen Herzog «Dieser Platz ist SchlĂŒssel und Tor zu Italien» und drĂ€ngte ihn, die Festung Bellinzona auszubauen. Gesagt, getan! Die lombardischen Baumeister vergrösserten das Castelgrande in Rekordzeit zu einem Bollwerk, das sich auch ĂŒber Pfade an der Bergflanke nicht mehr umgehen liess. HierfĂŒr ergĂ€nzten sie das Castelgrande bergseitig um die Burgen Montebello und Sasso Corbaro, das mit seinen Schwalbenzinnen, Spitzbogenfenstern und CheminĂ©es in den SĂ€len eine elegante Note erhielt. Auf der anderen Seite bildete eine vier Meter dicke Befestigungsmauer inklusive BrĂŒcke die VerlĂ€ngerung ĂŒber den Fluss Ticino. Sie galt als die schönste «Murata» in der ganzen Lombardei. Dieser Sperrriegel gegen Norden, der spĂ€ter teilweise von einer Flutkatastrophe zerstört wurde, wurde nie geknackt. Selbst nach dem Sieg der Eidgenossen bei Giornico von 1478 blieb Bellinzona vorerst mailĂ€ndisch. Die Abkehr von den italienischen Herren erfolgte auf friedliche Art und Weise, ja der Festungskomplex fiel den Innerschweizern schliesslich wie eine reife Frucht in den Schoss. Denn als der König von Frankreich das Herzogtum Mailand besetzte, fĂŒrchteten die Einwohner Vergeltungsmassnahmen durch die Franzosen und suchten nach neuen VerbĂŒndeten. Diese fanden sie in einer heimkehrenden Heerschar aus der Innerschweiz, denen sie sich im Gegenzug fĂŒr Schutz unterwarfen. Die Eidgenossen liessen sich nicht lange bitten, jagten die französische Besatzung zum Teufel und veranlassten, dass die Talsperre 1503 nach Mailand gekehrt wurde, wodurch sich Bellinzona zum sĂŒdlichen Vorposten der Eidgenossenschaft wandelte.

Das moderne Castelgrande

Wer sich heute aufmacht, die Anlage zu besichtigen, kann zwischen Zinnen und ZugbrĂŒcken, zwischen TĂŒrmen und Toren, zwischen Museum und Grotto (im Castelgrande) schnell mal einen Tag lang hĂ€ngen bleiben. Doch es lohnt sich: Bellinzona und seine Burgen – «una cittĂ , tre castelli» – ist Weltklasse. Um etwas Vergleichbares zu finden, mĂŒssten Sie nach Carcassonne in SĂŒdfrankreich reisen oder nach Avila in Kastilien. Dabei kĂ€men Sie aber nicht in den Genuss eines derart spektakulĂ€ren Ausblicks: das Tal hoch auf verschneite Alpengipfel, das Tal runter auf Magadino-Ebene, Monte Tamaro und Lago Maggiore. Hier Alpen, da Mittelmeer. In den 1980er Jahren wurde das Castelgrande vom Architekten Aurelia Galfetti mit sorgfĂ€ltiger Weitsicht restauriert. Sein Konzept bestand darin zu konservieren, indem er mit modernen Materialien Neues anfĂŒgte. So entstand ein Gesamtkunstwerk aus alten Mauern, neuen Granitblöcken und Beton, das dem Ort wĂŒrdig ist. Denn der San-Michele-HĂŒgel kann auf eine 6000-jĂ€hrige Besiedlung zurĂŒckblicken, in der er schon viueles erlebte. Doch wĂ€hrend man im Neolithikum auf den Felsen hochkraxeln musste, fĂŒhrt heute ein Gang von der Piazza del Sole in das Innere des Felsens, von wo ein Lift die Besucher in wenigen Sekunden in den Innenhof der Burg trĂ€gt. Auch die Unesco ist begeistert von dieser Symphonie aus Granit und Beton: Seit 2000 gehört die Wehranlage zum Weltkulturerbe.

Der traditionelle jahrhundertealte Samstagsmarkt belebt die Altstadt mit zahlreichen VerkaufsstĂ€nden, die lokale Produkte und Kunsthandwerk anbieten. Die Museen, die Kirchen und PlĂ€tze sowie das Teatro Sociale sorgen fĂŒr ein reichhaltiges kulturelles Angebot, wĂ€hrend man in Sternerestaurants und «Grotti» genannten Weinkellern lokale Produkte geniessen kann. Jedes Jahr findet der bekannteste Karneval des Tessins, der Rabadan hier statt, wenn Masken, Guggen und Umzugswagen durch die Strassen des Stadtzentrums ziehen.

Mit dem Treno Gottardo geniessen Sie eine Direktverbindung bis nach Bellinzona. Steigen Sie ein und besuchen Sie die italienische Hauptstadt der Schweiz.

Anfahrt: mit dem Treno Gottardo nach Bellinzona

GefÀllt Ihnen diese Geschichte?

EXTERNAL_SPLITTING_BEGIN EXTERNAL_SPLITTING_END